Managing Surprise

Eine Meldung der vergangenen Tage hat die Finanzwelt überrascht. Aufsichtsräte, verantwortlich für die Überwachung des Risikomanagements von Unternehmen, sollten aufhorchen.

So hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat am 15. Januar 2015 zur Verblüffung vieler bekannt gegeben, den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufzuheben. Der SNB – Entscheidung vorausgegangen war ein Vorabentscheidungsverfahren des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 14. Januar 2015, wonach das OMT-Programm zwar ein „unkonventionelles“ Instrument der Geldpolitik sei und Risiken mit sich bringe, aber innerhalb ihres Mandats der EZB liege. Im Klartext: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird danach grundsätzlich Staatsanleihen kaufen dürfen. Das war zu erwarten, nicht aber die Entscheidung der SNB.

In einer entsprechenden Pressemitteilung, heißt es dazu: „Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und grösster Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt. Diese ausserordentliche und temporäre Massnahme hat die Schweizer Wirtschaft vor schwerem Schaden bewahrt. Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen. Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume haben sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zum US- Dollar abgeschwächt hat. Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken- Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind. Damit die Aufhebung des Mindestkurses nicht zu einer unangemessenen Straffung der monetären Rahmenbedingungen führt, senkt die Nationalbank die Zinsen deutlich. “

Die Entscheidung der Schweizer Nationalbank wird meiner Ansicht nach weitreichende Folgen haben und sich auf das wirtschaftliche Umfeld der Unternehmen in der EU auswirken. Der Fallout – Out könnte sich schon in der kommenden Bilanzsaison bei einigen Finanzmarktakteuren zeigen. Noch viel bedeutender scheint mir der damit einhergehende Vertrauensverlust in das Handeln der Zentralbanker zu sein. Aufsichtsräte sollten von den Geschäftsleitungen dringend Szenario-Analysen einfordern, um die etwaigen Auswirkungen in die Planungsansätze einfließen lassen zu können und effektive Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

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