Wat kost mi dat, wat bringt mi dat, wat hef ick dabei über

Das Thema ‚Corporate Governance‘ hat in den vergangen Jahre deutlich an Aufmerksamkeit verloren. Das zeigt eine Analyse, die mit Hilfe von google analytics gemacht werden kann. Der Hype um das Thema hatte 2004 einen Höhepunkt. Seitdem ging es bergab mit dem inter-medialen Interesse.

Diese Entwicklung ist meines Erachtens kein Wunder. Die betroffenen Aufsichtsräte und Vorstände empfinden die überbordende Regulierung in Form von Gesetzen und Kodizes oft nur noch als notwendiges und aufwendiges Übel. Der betriebswirtschaftliche Zweck von Corporate Governance wird nicht klar. Im Zuge der Verrechtlichung geht es heute oft nur noch um Effektivität im Sinne der Einhaltung relevanter Regeln und Standards, nicht aber um Effizienz, die zu einer echten Wertsteigerung führt. Kosten und Nutzen stehen nach Ansicht vieler in keinem angemessenen Verhältnis. Profitiert haben vor allem die Berater. So ist eine regelrechte ‚Beratungsindustrie‘ entstanden mit diversen Seminaranbietern, Verbänden, spezialisierten Rechtsanwälten und Personalberatern, die sich auf das Thema stürzen und sich dabei einträgliche Honorare versprechen. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass es zu einer Professionalisierung gekommen ist. Dass nun eine neue Generation von Aufsichtsräten – weiblicher, mit digitaler Kompetenz und mehr ‚financial literacy‘ – das Ruder übernimmt, könnte noch einmal einen Schub bringen. Ich denke künftig werden die Effizienzsteigerung von Aufsichtsratsprozessen und der Wertbeitrag der Überwachungsarbeit viel stärker in den Fokus rücken ganz im Sinne des alten hamburger Kaufmannsspruches: ‚Wat kost mi dat, wat bringt mi dat, wat hef ick dabei über.‘

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