Baltic Dry Index als Frühindikator

Der Vorstand einer Aktiengesellschaft ist gesetzlich dazu verpflichtet ein Risikomanagement-System zu organisieren und zu betreiben, § 91 Absatz 2 AktG. Da es sich hierbei um eine eine originäre Geschäftsführungsmaßnahme handelt, muss der Aufsichtsrat diese folgerichtig überwachen. Die Pflicht zur zur Überwachung der Wirksamkeit des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems ist für den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats noch einmal explizit in § 107 Absatz 3 AktG festgeschrieben.

In der Praxis sind oftmals statische Risikomanagement-Systeme anzutreffen, die lediglich den Status Quo festschreiben. Sie werden von den Verantwortlichen aus Gründen der Absicherung gegen Haftungsrisiken implementiert und häufig als störende Formalie begriffen. Gelebtes Risikomanagement sieht jedoch anders aus. Der eigentliche Zweck von Risikomanagement-Systemen besteht darin, die für das Unternehmen existenzbedrohenden Risiken so früh zu erkennen, das rechtzeitig geeignete Gegenmaßnahmen durch die Geschäftsführungen im Rahmen einer vordefinierten Risikostrategie ergriffen werden können. Typische Schwächen sind regelmäßig bei der so wichtigen Früherkennung von Chancen und Risiken festzustellen. Diverse Fallstudien, die wir im Laufe der vergangenen Jahre an der Nordakademie – University of Applied Science erarbeitet haben, zeigen auch, dass die Ursachen für existenzbedrohende Risiken regelmäßig in einem fehlerhaften Management begründet liegen. Auch das Nichterkennen und die Wahrnehmung von Chancen sind darunter zu subsummieren. Aufsichtsräte sollten darauf achten, dass die Vorstände zum Zweck der Früherkennung und Analyse von externen Risiken geeignete Frühindikatoren definiert haben.

Ein aus meiner Sicht nützlicher und brauchbarer Frühindikator, der die Lage der Weltwirtschaft prognostizieren kann, ist der Baltic Dry Index, der von der Baltic Exchange in London veröffentlicht wird. Der Baltic Dry Index ist ein Preisindex, der versucht die Zusammenhänge von Frachtraten mit Rohstoffpreisen und der Nachfrage nach Metallen, Treibstoffen und Nahrungsmitteln zu messen. Der Index hat jetzt fast sein Allzeittief erreicht:

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Vorstände und Aufsichtsräte sollten also gewarnt sein und sich fragen, welche Auswirkungen ein drastischer Konjunktureinbruch auf das Geschäft des Unternehmens haben könnte, ob ggfs. ausreichende Reserven vorhanden sind und welche Maßnahmen in einem solchen worst case Szenario zu ergreifen wären.

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